Schloss Ober Rengersdorf

Das Neue Schloss Ober Rengersdorf liegt an der Straße von Torga nach Kodersdorf in der Oberlausitz. Es ist gar nicht so leicht auszumachen, da es von Bäumen, Gestrüpp und einem verwilderten Park umgeben ist. Das Alte Schloss liegt ein Stück entfernt, am anderen Ende des Parks.

 

Die Geschiche des Gutsbesitzes geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. 1517 gründete die Gutsherrschaft in Ober Rengersdorf das Schwarze Vorwerk, aus dem ein eigenständiges Rittergut hervor ging. Die Besitzer wechselten oft.

 

In der südwestlichen Ecke des Hofes steht noch heute das Alte Schloss aus dem 18. Jahrhundert. Da das Haus recht einfach gehalten war, nahm Hauptmann Adolf Sanio, der das Rittergut 1886 gekauft hatte, eine Umbau vor. Dabei erhielten die Hauseingänge schmuckreiche Portaleinfassungen und die Hausecken wurden mit wuchtigen Pfeilern betont. Auf der Rückseite baute man einen Seitenflügel mit reich gestaltetem Giebel an. Sanio verkaufte 1900 Ober Rengersdorf an Julius von Roncador, Edlen von Nornenfels. Unter ihm wurde Ober Rengersdorf zu einem großen landwirtschaftlichen Großbetrieb ausgebaut. Man betrieb Schweine-, Rinder- und Schafzucht, unterhielt eine Molkerei, Brennerei und Mahlmühle. Zur Verarbeitung der landwirtschaftlichen Produkte wurde eine Kartoffelflockenfabrik errichtet.

 

Da das Alte Schloss den herrschaftlichen Ansprüchen nicht genügte, baute man 1900 - 1901 das Neue Schloss. Es ist architektonisch teils der Renaissance, teils dem Barock entlehnt. Nach dem Tode von Julius von Roncador im Jahr 1922 übernahm sein Sohn Heinz das Schloss und Rittergut. Dieser verkaufte 1924 den Besitz an den Kommerzienrat Joseph Kutz aus Weißwasser, der das Rittergut als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter Annelies und seinen Schwiegersohn Dr. Manfred Graf von Ingenheim erwarb. Nach dem Niedergang des Adelssitzes wurde das Rittergut 1931 aufgeteilt. Graf von Ingenheim behielt einen Teil des Gutes mit ca. 50 ha Land. Im Neuen Schloss, das die Grafenfamilie nicht mehr allein unterhalten konnte, zog 1936/37 ein Müttergenesungsheim ein. 1945 wurde das gesamte Gut enteignet. Im Alten Schloss zog eine Kindergrippe ein. Das Neue Schloss wurde ab 1946 als Schule für die Klassen 1 – 3 sowie Schulhort und Kindergarten genutzt der Gemeinde genutzt.

 

Nach der Wiedervereinigung wechselten die Besitzer des Neuen Schlosses schon sehr oft. Doch keiner schaffte es, das Schloss aus seinem Dornröschenschlaf zu retten. Es steht noch heute leer und wartet auf eine Restaurierung. Das Alte Schloss hat seit 2004 eine neue Besitzerin, wie es wohl denkmalgerecht restaurieren möchte. Doch sieht man sich den Bauzustand des Alten Schlosses an, kommen einem auch hier starke Bedenken auf…

 

(Quelle: Schlösser in der östlichen Oberlausitz, L.-A. Danneberg und M. Donath)

 

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