Kaufhaus Günther

Schnäppchenjagd oder die einfachste Methode, kostenlos Müll los zu werden

 

Noch einmal und nur für einen Tag öffnete am 9. Februar 2016 das seit langem geschlossene Kaufhaus Günther seine Pforten. Nicht nur langjährige treue Kunden und ehemalige Mitarbeiter, auch Schnäppchenjäger, Sammelwütige, Neugierige und Fotografen kamen, um die Gelegenheit zu nutzen, ein letztes Mal das bei den Dresdnern so beliebte Kaufhaus zu betreten. Menschenmassen zwängten sich durch Berge von Kartons, bereits zusammengeräumte Müllberge, hindurch zwischen Regalreihen in Keller und oberster Etage, in der Hoffnung, wenigstens noch ein Erinnerungsstück oder auch etwas Brauchbares für Haushalt, Hobbywerkstatt oder dergleichen zu finden. Mitgenommen wurde fast alles, was herum lag oder sich abmontieren lies. So fand auch ein alter verbogener Scherenhandtuchhalter einen neuen Herren…. ähm eine neue Frau.

 

Der Handtuchhalter hing schon verbogen an der Wand und durch die Kraftanstrengung der Frau, die ihn unbedingt und mit vollem Körpereinsatz von der Wand abreißen wollte, verlor er noch mehr von seiner ehemals akkuraten Form. Auf meine Frage hin, was sie mit dem total verbogenen Handtuchhalter vor habe, antwortete sie, dass er für die Gartenlaube noch gut genug sei… Oh je dachte ich, so ein krummes Ding hätte ich mir nicht mal zu DDR-Zeiten an die Wand gehangen, aber die Geschmäcker sind halt verschieden…

 

Doch nun seht selbst, was ich an dem Vormittag dort mit meiner Kamera im Bild festhalten konnte:

 

Abschließend noch ein kleiner Ausflug in die Geschichte des Kaufhauses:

 

Das Kaufhaus Otto Günther eröffnete 1902 als Haushaltswarengeschäft im damals noch eigenständigen Stadtteil Großzschachwitz. Im Jahr 1930 wurde dabei am Standort Pirnaer Landstraße 230 ein seinerzeit modernes und großes Verkaufsgebäude errichtet, in dem Haushalt-, Schreib- und Eisenwaren, Spielzeug, Kleidung, Elektrogeräte und Einrichtungsgegenstände erhältlich waren. Im Hinterhof erfolgte bis zu DDR-Zeiten der Verkauf von Holz.

 

Zum 22. Dezember 2007 erfolgte die endgültige Schließung des Kaufhauses, das von 1902 bis 2007 durchgehend als privater Familienbetrieb von der Familie Günther/Metzig betrieben wurde (zuletzt Wilfried und Monika Metzig). Inzwischen gehört das Gebäude einer Immobilienfirma, die den Abriss und die Neuerrichtung eines für die Gegend völlig überflüssigen Provinzialeinkaufszentrums mit Parkhaus, Rewe, Blumenladen & Co. plant. Der geplante Abriss des Altgebäudes im Frühjahr 2010 kam nicht zustande; er soll nun 2016 erfolgen.

 

(Quelle: stadtwiki Dresden – Kaufhaus Günther)

 

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