Villa Tugendhat

Die Villa Tugendhat in Brünn (CZ) wurde nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe 1929 – 1930 als Wohnhaus für den Textilunternehmer Fritz Tugendhat und seine Frau Grete errichtet. Sie ist das berühmteste Bauwerk der Moderne in Brünn und wird zu den bedeutendsten Bauten Mies van der Rohes in Europa gezählt. Außerdem gehört die Villa zusammen mit dem Haus Schminke (Hans Scharoun) Haus Kaufmann „Fallingwater“ (Frank Lloyd Wright) und der Villa Savoye (Le Corbusier) zu den weltweit herausragenden Architekturikonen des „Modernen Bauens“.

 

Das Haus hat eine Nutzfläche von 1.250 m². Die technischen Einrichtungen waren für die damalige Zeit auf dem höchsten Entwicklungsstand. Die Verwendung edler Materialien und die hochwertige Ausführung der Details verleihten dem Haus seinen besonderen Ausdruck.

 

Die Villa hat turbulente Zeiten hinter sich. Mit dem Herannahen des 2. Weltkrieges verließ die Familie Tugendhat Ende 1938 die Tschechoslowakei. Im Oktober 1939 wurde die Villa von der Gestapo beschlagnahmt und 1942 als Besitz des Großdeutschen Reichs eingetragen. Walter Messerschmidt (Direktor einer Außenstelle der Klöckner-Werke) nutze die Villa und sie diente als Konstruktionsbüro der Flugmotorenwerke Ostmark.

 

1945, nach der Befreiung der Tschechoslowakei, wurde das Gebäude durch die Rote Armee genutzt. Später zog die orthopädische Abteilung des benachbarten Kinderkrankenhauses in die Villa ein. In den 1960er Jahren bemühten sich ein Teil der Brünner Kulturszene und der Architekt František Kalivoda um eine würdevollere Nutzung und die denkmalpflegerische Wiederherstellung der Villa. Diese Bemühungen gingen jedoch erst in den 1980er Jahren in Erfüllung, als die Villa als Repräsentationsraum in Betrieb genommen wurde. Jedoch gingen bei den Rekonstruktionsmaßnahmen viele Originalteile verloren. Holzeinbauten und Möbel wurden ersetzt. Zum 1. Juli 1994 wurde die Villa als Denkmal der modernen Architektur in Brünn der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

Im Jahr 2001 wurde die Villa in die UNESCO-Welterbeliste als Denkmal moderner Architektur aufgenommen. 2007 beantragten die Erben die Wiederherstellung des Wohnhauses. Die Stadt Brünn stellte dafür 6 Millionen Euro zur Verfügung. Am 6. März 2012 wurde die Villa nach erfolgter Restaurierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und lockt seitdem Architekturinteressierte aus aller Welt an.